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E-CAR-NEWS

WETTLAUF DER E-TRIKES – VANDERHALL ODER MORGAN?


Text: Hans-Robert-Richarz/ampnet
Fotos: Vanderhall, Morgan
 

AUF DER MITTELSPUR

Die kommenden elektrischen Dreiräder werden wohl ein sehr exklusives sportliches Vergnügen sein


Vanderhall Edison2
 


Als Kreuzung zwischen Automobil und Motorrad führen sie ein Zwitterdasein: drei Räder; kein Dach; kaum Nutzen – aber viel Spaß. Ein Motordreirad eignet sich als passender Begleiter für sommerliche Wochenendausflüge auf einsamen Landstraßen, weniger als Allwetterfahrzeug während der Woche. Dafür setzen es allenfalls Hardcore-Dreirad-Fans ein.

Der erst acht Jahre Trike-Spezialist Vanderhall aus Provo im amerikanischen Bundesstaat Utah bereitet jetzt ein rein elektrisch betriebenes Reverse-Trike vor (zwei Räder vorne, eins hinten), mit dem er den E-Plänen der britischen Automanufaktur Morgan aus Malvern in den Midlands (mit 109 Jahren ein Dreirad-Dinausaurier) für dessen Threewheeler zuvorkommen will.

Mit jahrzehntelanger Erfahrung (1909 bis 1953) auf dem Gebiet der Produktion motorisierter Dreiräder verkündete Morgan schon auf dem Genfer Automobilsalon im Jahr 2016 die Wiederbelebung ihres legendären Threewheelers – und das gleich auch noch als Elektrofahrzeug. Das ist für einen Autoproduzenten, der auch heute noch tragende Teile seiner Karosserien aus Holz fertigt, etwa so revolutionär, als hätte der Papst nicht nur das Zölibat abgeschafft, sondern wäre auch sofort selbst mit gutem Beispiel vorangegangen.

Morgan ist seither mit seinem rein elektrisch angetriebenem Dreirad EV3 noch nicht so recht in die Gänge gekommen. Nachdem man sich mittlerweile mit dem ehemaligen englischen Sportwagenbauer Frazer-Nash (der auch einen auf Elektrifizierung spezialisierten Zweig betreibt) zusammentat, peilt Morgan nun das dritte oder vierte Quartal 2018 als Produktionsbeginn an.

Dem will der Jungspund Vanderhall Motor Works aus den USA mit seinem Edison2 (in Reminiszenz an den großen Erfinder) zuvorkommen. Der Edison2 steht auf der Basis des herkömmlich mit einem modifizierten Turbobenziner von General Motors ausgerüsteten Vanderhall Venice, einem Kraftpaket mit Alu-Karosserie und ansehnlichen Leistungen. Dessen 147 kW (200 PS) haben mit dem nur 700 Kilo schweren Dreirad leichtes Spiel: Sie beschleunigen den Zweisitzer in 4,8 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h und sind für ein Spitzentempo von 220 km/h gut.

Vanderhall Edison2
Der Vanderhall Edison2 soll
ab Sommer 2018 erhältlich sein
Vanderhall Edison2
30 kWh und das Vergnügen in vier Sekunden
von null auf 100 kosten 28.000 Euro
 

Im Vergleich dazu hinkt der elektrische Edison2 mit seinen beiden – zusammen 132 kW (180 PS) leistenden – E-Motoren nur bei der Höchstgeschwindigkeit (169 Stundenkiometer) etwas hinterher. Die vier Sekunden von null auf 100 km/h dagegen sind ebenso sportlich wie der Preis: Er beträgt 34.950 Dollar (zirka 28.000 Euro). Seine 30.000 Wattstunden große Lithium-Ionen-Batterie sorgt angeblich für eine Reichweite von über 320 Kilometern. Die Produktion soll im späten Frühjahr 2018 starten, gegen 250 Dollar Anzahlung werden Vorbestellungen entgegengenommen.

Da kann der Morgan nicht mithalten: Der EV3 betrachtet die Welt des emissionsfreien Autofahrens aus einer anderen Perspektive. Er ist das letzte Fahrzeug aus der Vorserienphase mit einem Gewicht von weniger als 500 Kilo und einer Reichweite von 240 Kilometern. Von null auf 100 km/h schafft er es mit seinem 46 kW (63 PS) starken Elektromotor an der Hinterachse als Leichtgewicht immerhin in weniger als neun Sekunden und bringt es auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 130 km/h.

In einem allerdings ist er – wenn er endlich zu haben sein wird – seiner Konkurrenz aus der Neuen Welt voraus: Das Design strahlt pure Nostalgie aus und ist von klassischen Motorrädern der 1930er Jahre inspiriert. Der allererste Morgan, in dem Carbon-Paneele für die Karosserie verwendet werden, soll ungefähr das Gleiche kosten wie sein Bruder mit Benzinmotor. Der belastet das Konto seiner Käuferin oder seines Käufers mit knapp 36.000 Euro.

Morgan EV3
Der Morgan EV3 soll ebenfalls noch 2018
zu haben sein, und zwar um 36.000 Euro
Morgan EV3
Gewicht weniger als 100 Kilo;
Reichweite 240 Kilometer; Spitze 130 km/h
 

Morgan EV3



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